Der aktuelle Dioxin-Skandal zeigt einmal mehr: Wird die Regelüberwachung (Compliance) – aus voller Absicht oder durch Nachlässigkeit – außer Kraft gesetzt, können gigantische Schäden entstehen, die sowohl moralisch als auch finanziell ins Abseits führen. Bei zahlreichen Konzernen gehört Compliance zur Tagesordnung, aber auch in kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) ist eine funktionierende Compliance von entscheidender Wichtigkeit.
Ohne Regeln geht’s nicht
Das menschliche Zusammenleben wird von Regeln geprägt, schon seit der Steinzeit. Hätte es keine klaren Vereinbarungen beispielsweise für die Jagd aufs Mammut gegeben – wer weiß, vielleicht würden wir heute gar nicht existieren. Regeln sind aber nur dann sinnvoll, wenn sie auch eingehalten werden. Mehr noch: Dieses Einhalten ist streng zu überwachen. Bei der Jagd aufs Mammut hat sich Nachlässigkeit beim Umgang mit Regeln wohl darin gezeigt, dass weniger Jäger in die Höhle zurückkamen als vorher ausgerückt waren. Oder die Sippe zumindest einige Zeit hungern musste. Heute dauert es meist länger, bis die Konsequenzen erkennbar sind. Doch dafür können sie – siehe Dioxin-Skandal – gleich Millionen von Menschen betreffen.
Verantwortung ist der Schlüssel
Wichtigste Voraussetzung für die Einführung von Compliance sind natürlich entsprechende Regeln. Die definiert entweder die Geschäftsleitung (beispielweise zum Umgang mit recyclingfähigem Abfall) oder sie kommen vom Gesetzgeber beziehungsweise berufsständischen Organisationen. So kennt jeder Unternehmer bestimmt die „Hinweise zur Ersten Hilfe“, die von diversen Berufsgenossenschaften als verpflichtender Aushang zur Verfügung gestellt werden. Aufgabe der Compliance ist es nun, die Einhaltung eines Regelwerks zu überwachen. Dazu muss es zunächst einen Verantwortlichen geben, der möglichst aus der Geschäftsleitung kommt oder dieser direkt unterstellt ist. Diesen „Compliance-Manager“ erwarten dann folgende Aufgaben:
• Identifikation von Risiken
Dazu gehören im Wesentlichen das Erfassen und Überprüfen von Risikofaktoren innerhalb von Produktionsabläufen, das Abschätzen des finanziellen und rechtlichen Risikos sowie eine genaue Kenntnis aller Rahmenbedingungen.
• Aufbau eines internen Informationssystems
Mangelnde Fachkenntnis von Mitarbeitern gehört bei der Umsetzung einer Compliance-Strategie zu den gefährlichsten Fallstricken. Wer nicht weiß, wie eine Regel angewandt wird, kann diese naturgemäß nicht befolgen. Der Compliance-Manager muss somit für den Aufbau von Wissen sorgen, beispielsweise über Schulungsmaßnahmen.
• Aufbau eines externen Informationssystems
Wird gegen eine Regel verstoßen, muss dies Konsequenzen haben. Dazu ist ein Meldesystem notwendig, an das die Geschäftsleitung unmittelbar angeschlossen ist. Für rechtlich relevante Verstöße sind auch Behörden einzubinden.
Dass Compliance alles andere als reiner Selbstzweck ist, steht außer Frage. Die Überwachung des Regelwerks vermeidet unnötige Kosten, zum Beispiel durch materielle Schäden oder Geldstrafen. Zudem beugt gut organisierte Compliance einem Imageverlust vor. Insgesamt gesehen minimieren sich die Risiken eines Unternehmens, die Effizienz steigert sich und die Wettbewerbsfähigkeit wird erhöht – dies gilt selbstverständlich nicht nur für Konzerne, sondern gerade auch für kleinere und mittlere Unternehmen.
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